Heiko Haumann: Die Judenaktion 1938 in Elzach. Die Ausschreitungen gegen die Familie Türkheimer - Hintergründe, Verantwortung, Folgen.

 

Herausgegeben von der Stadt Elzach

Text: Philipp Häßler nach Heiko Haumann: Die Judenaktion 1938 in Elzach

 

Die jüdische Familie des Elzacher Tierarztes Bruno Türkheimer


Bruno Türkheimer wurde am 15. Januar 1891 in Münzesheim bei Bruchsal als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Den Ersten Weltkrieg machte Bruno Türkheimer als Kriegsfreiwilliger mit. Er erlebte zahlreiche Schlachten an der Westfront. Es wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse sowie die Badische Verdienstmedaille verliehen. Ende 1918 wurde er zum Tierarzt der Stadt Elzach berufen und trat seine Stelle 1919 an.

 

1920 heiratete Bruno Türkheimer Paula Mayer, die 1896 in der Südpfalz geboren wurde. Die Tochter Elfriede Liselotte wurde am 13. August 1922 in Elzach geboren, der Sohn Fred Günter am 27. März 1925 ebenfalls in Elzach.

 

Die Familie Türkheimer lebte anerkannt und geachtet in Elzach. Bei den Bauern, so ist vielfach zu hören, war der Tierarzt Bruno Türkheimer sehr beliebt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 schritt auch in Elzach die Gleichschaltung voran. Im Oktober 1933 wurde Emil Riegger (1889-1965) Bürgermeister in Elzach, nachdem sein Amtsvorgänger Adolf Rapp (1889-1955) gewaltsam aus dem Amt gedrängt wurde.

 

Es sah zunächst danach aus, dass die nationalsozialistische Machtübernahme keine besonderen Auswirkungen auf die Familie Türkheimer  hätte. Doch wie im gesamten Reich verschärften sich in den Folgejahren die Repressalien gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Diese fanden in der „Reichsprogromnacht“ am 9. November 1938 Ihren vorläufigen „Höhepunkt“.

 

Tags drauf kam es in Elzach zu der sog. „Judenaktion“:

 

Nach einer Hausdurchsuchung im Hause Türkheimer wurden seine Frau und seine Tochter mit vorgehaltener Waffe ins Elzacher Rathaus gebracht. Türkheimer selbst war zu dieser Zeit dienstlich unterwegs. Zuvor war das Haus der Türkheimers mit Steinen von Elzacher Kindern und Jugendlichen beworfen worden, unter Beteiligung der ortsansässigen NS-Funktionäre, Hitlerjugend, der Lehrer und Bürgermeister Riegger. Bruno Türkheimer selbst wurde nach seiner Ankunft in Elzach verhaftet und zur Sammelstelle nach Emmendingen gebracht, von wo aus er in das Konzentrationslager Dachau deportiert wurde.

Zwar erging schon am 28. November der Entlassungsbefehl, jedoch war aus Sicht der Familie eine Rückkehr nach Elzach ausgeschlossen.

 

Am 21. Dezember 1938 verließ die Familie Türkheimer Elzach und emigrierte nach San Francisco in die USA. Zuvor hatten sie immense Summen an „Reisekosten“ zu begleichen, die Ihnen von den Behörden in Rechnung gestellt wurden. Somit kamen sie dort quasi mittellos an.

 

Bruno Türkheimer und seine Frau kehrten nie wieder nach Elzach zurück, auch auf einen Besuch verzichteten sie. Die Türkheimers waren die einzige jüdische Familie in Elzach.

 

Am 24. August 1967 ist Bruno Türkheimer in San Francisco gestorben, am 19. Dezember 1984 verstarb Paula Türkheimer. Im Dezember 1995 billigte der Elzacher Stadtrat einstimmig eine Straße nach Dr. Bruno Türkheimer zu benennen und am ehemaligen Wohnhaus der Familie (Freiburger Str. 6) eine Gedenktafel anzubringen.

 

Seit 2015 liegt eine eigenständige Monographie von Prof. Heiko Haumann zur Familie Türkheimer vor, die Hintergründe, Verantwortung und Folgen der „Judenaktion“ von 1938 untersucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bruno Türkheimer als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bruno Türkheimer als Jäger