80 Jahre nach der dunkelsten Stunde

Fred Türkheimer, Enkel des früheren Elzacher Tierarztes Bruno Türkheimer, besuchte Elzach

22. November 2018

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung..

Von: Marie Winterhalter, Philipp Häßler

ELZACH. Besuch aus den USA in Elzach: Fred Türkheimer und seine Lebensgefährtin Linda wurden von Bürgermeister Roland Tibi im Heimatmuseum empfangen. Fred ist der Enkel von Bruno Türkheimer (1891–1967) und seiner Paula (1896–1994), die als Juden vor 80 Jahren, am 10. November 1938, im Gefolge der Reichspogromnacht im "Dritten Reich" mit ihren Kindern Fred Günter und Elfriede aus Elzach vertrieben wurden und nach San Francisco emigrieren mussten. Im Museum trug sich Fred Türkheimer in das Gästebuch der Stadt Elzach ein.

 

Die Familie Bruno Türkheimer lebte bis zu ihrer Vertreibung anerkannt und geachtet in Elzach. Die Repressalien gegenüber der jüdischen Bevölkerung in Deutschland fanden in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 ihren vorläufigen "Höhepunkt". Tags drauf kam es in Elzach zu der "Judenaktion": Das Wohnhaus der Türkheimers in der Freiburger Straße 6 wurde von Elzacher Kindern und Jugendlichen "belagert", unter Anleitung örtlicher NSDAP-Parteifunktionäre, Hitlerjugend, Lehrern und Bürgermeister Emil Riegger. Auf Festnahme und Drangsalierung folgte die Emigration in die USA. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte Bruno Türkheimer dort wieder als Tierarzt arbeiten.

Im Dezember 1995 billigte der Elzacher Stadtrat einstimmig, eine Straße nach Dr. Bruno Türkheimer zu benennen (im Wohngebiet Sonnhalde) und am ehemaligen Wohnhaus der Familie an der Freiburger Straße 6 eine Gedenktafel anzubringen.

Seit 2015 liegt eine Monographie von Prof. Heiko Haumann vor, die Hintergründe, Verantwortung und Folgen dieser "Judenaktion" von 1938 untersucht ("Die "Judenaktion 1938 in Elzach. Die Ausschreitungen gegen die Familie Türkheimer – Hintergründe, Verantwortung, Folgen. Elzach, 2015).

Bruno und Paula Türkheimer kehrten nie wieder nach Elzach zurück, wie ihre Kinder ließen sie den Kontakt zu Verwandten und Freunden aus der alten Heimat jedoch nie ganz abreißen. Nachdem Enkel Fred Türkheimer vor über 40 Jahren schon einmal für längere Zeit in Elzach war, besuchte er bereits 2017 das Städtchen. Das Buch von Heiko Haumann hat er mit großem Interesse verfolgt und durch Gespräche mit dem Autor und der Familie Moser erfuhr er auch manch Neues über das Leben und das Leid seiner Familie.


Fred lebt mittlerweile in Seattle im Nordwesten der USA und einige Monate im Jahr in Alaska. Dort arbeitet er als Hochseefischer. Seine Cousine Linda, Tochter von Elfriede Türkheimer, lebt heute noch in San Francisco.

 

Beim Besuch im Museum waren sich alle Anwesenden einig, wie wichtig es ist, über das Geschehen vom November 1938 zu sprechen. Die Menschen, welche diese dunkelsten Jahre deutscher Geschichte miterlebten, werden immer weniger. Umso wichtiger ist es, das Erinnern an Unrecht und Verbrechen am Leben zu erhalten und nicht den Mantel des Schweigens darüber zu legen, gerade in Zeiten von zunehmendem Antisemitismus und rhetorischer Entgleisungen von Unbelehrbaren. Die Offenheit und Unvoreingenommenheit des Besuchs aus den USA und das große Interesse an Elzach und seiner Geschichte sollte für uns alle Vorbild sein.


Nach einer grundlegenden Sanierung wurde der Brunnen vor der Volksbank nun wieder offiziell in Betrieb genommen

Mittwoch, 30. Mai 2018

Erschienen in der gedruckten Ausgabe der BZ. Text: Bernd Fackler

ELZACH. Der restaurierte Georg-Rapp-Brunnen vor der Volksbank wurde am Samstag offiziell in Betrieb genommen – in Anwesenheit von Verwandten Georg Rapps, von Nachbarn und sonstigen Bürgern. Der Sandsteinbrunnen ist Bürgermeister Georg Rapp gewidmet, der in Elzach von 1869 bis 1907 im Amt war.

"Elzach ist das Städtle der Brunnen und alle haben ihre schöne Geschichte", sagte Bürgermeister Roland Tibi am Samstag, "einer davon ist der Georg Rapp-Brunnen von 1914. Wir wollten ihn schon zum ’Hundertjährigen’ herrichten lassen, aber die Beschädigungen, besonders an den Wasserleitungen, waren so groß, dass wir Zeit brauchten." Und auch etwas Geld. Da traf es sich gut, dass der Brunnen seit 25 Jahren die Volksbank als Nachbar hat – viele jüngere Elzacher nennen ihn deshalb auch einfach "Volksbank-Brunnen" . Die Volksbank Breisgau-Nord, an diesem Samstag vertreten durch Vorstandssprecher Karlheinz Dreher und Filialleiter Klaus Holzer, übernahm dann auch einen großen Teil der Kosten der Sanierung.

Tibis Dank galt auch Feinmechanikermeister Alexander Ketterer, der auch bei diesem Brunnen – die Messingspeier von Hand gedreht und gestiftet hat.Die Hauptarbeiten mit der Wasserzufuhr übernahmen die Stadtwerke. Zudem wird der Brunnen jetzt abends beleuchtet.

Ebenfalls präsent war die Nachkommenschaft von Georg Rapp – darunter mit Finn Schweizer ein Urururenkel und mit Wolfgang Rapp der letzte Elzacher Namensträger dieser Familie, deren Stammbaum – so hat Wolfgang Rapp von Verwandten erfahren – sage und schreibe 600 Jahre, bis aufs Jahr 1418 zurückgeht.

"In seiner langen Amtszeit leistete Georg Rapp unheimlich viel. Wenn einem Bürgermeister ein Brunnen gestiftet wird, ist das eine ganz besondere Ehre", leitete Roland Tibi über zu Philipp Hässler, dem Vorsitzenden des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises, der sich viel Mühe gemacht hatte, Georg Rapp und die Zeit, in der er lebte, zu beleuchten: "Als Rapp Bürgermeister wurde, waren die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Elztal und in Elzach gänzlich andere als nach seinem Ausscheiden 1907": Im 19. Jahrhundert prekäre bis katastrophale Lebensverhältnisse – Missernten, Auswanderungen etc.: "Bis ins Jahr 1870 gab es, zum Beispiel in Simonswald, noch Kinderversteigerungen".

 

Dann aber bald nach 1850 der Strukturwandel und Aufschwung, natürlich nicht nur, aber eben auch besonders in Elzach und hier einher gehend mit der Amtszeit von Georg Rapp: Sparkassengründung (1873), Pfarrhausbau (1886), Wasserversorgung und E-Werkbau (1888) Kanalisation (1896), Bahnanschluss (1901), Elektrifizierung der Häuser (bis 1904) und manches andere mehr. Philipp Häßler: "Innerhalb weniger Jahre wandelte sich das Bild Elzachs enorm und in einem Ausmaß, die uns heute einige Phantasie abverlangt." Dieser Wandel vom sprichwörtlichen "Ackerbürgerstädtchen" zur modernen Gemeinde, so Häßler, "vollzog sich in kurzer Zeit und in der Amtszeit Georg Rapps. Auch wenn man diese Entwicklung nicht einzig seiner Person beimessen darf , ist diese eng mit seinem Namen verbunden." So sahen es wohl auch jene Elzacher, die vor 103 Jahren ihrem Ex-Bürgermeister diesen Brunnen widmeten. Ihm zu Ehren gab’s am Samstag ein Gläschen Sekt – oder frisches Georg-Rapp-Brunnenwasser.


Drei Ausstellungen zugleich eröffnet

Künstlerische Beigaben zum kommenden Heimat-Markt am 21./22. April : Erwin Krumm – Bollyhood – Schwarzwaldtraum

Samstag, 7. April 2018

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ. Text: Kurt Meier

ELZACH. Wann haben Sie eigentlich Ihren letzten Schaufensterbummel durch Elzach gemacht? Ab sofort ist dies ein ganz besonderes Vergnügen. Denn die Schaufenster der Elzacher Fach- und Einzelhandelsgeschäfte zeigen Kleinode aus dem Nachlass des in Elzach verehrten Künstlers Erwin Krumm. Außerdem sind in den beiden Bankinstituten der Stadt zwei Fotoausstellungen heutiger Künstler zu bewundern.

 

Im Rahmen einer Vernissage stellten der Gewerbeverein Elzach und der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis (HGA) die Aktionen vor und setzten damit den offiziellen Startschuss für den Schwarzwald/Heimat/Markt am übernächsten Wochenende 21. und 22. April.

"Dieser Abend ist eine tolle Einstimmung auf den kommenden Markt", begrüßte Bürgermeister Roland Tibi gemeinsam mit Ulrich Volk, dem Vorsitzenden des Gewerbevereins und Philipp Häßler, Vorsitzender des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises zahlreiche Gäste zur Vernissage im stimmungsvollen Ambiente des Heimatmuseums. Bei jungem Wein von "jungen wilden Winzern" aus der Region, Gin-Variationen vom "Feinen Kappler" (Axel Basler) aus der Ortenau, einer "Ginalami" – der schmackhaften Gemeinschaftsproduktion von Axel Basler und Metzgermeister Wendelin Winterhalter von der Oberen Metzgerei Franz Winterhalter, ließ man sich's gut gehen, bevor man zur Eröffnung der beiden Bilderausstellungen schlenderte.

Ihr Thema ist das weltweit bekannte Wahrzeichen des Schwarzwaldes schlechthin, der Bollenhut. Den setzen die Künstler Flora Wenczel und Josef Weiß in ihrer Ausstellung "Bolly-Hood" in der Volksbank, sowie Anja Limbrunner und Hanspeter Trefzer, deren Ausstellung unter dem Titel "Schwarzwaldraum" in der Sparkasse zu sehen ist, auf jeweils ganz eigene Weise in Szene. Für Schwarzwaldpuristen sicherlich ein provokantes Abenteuer, für Menschen, die sich am Außergewöhnlichen, ja manchmal auch Provokanten erfreuen, ein Muss!

14 Monate lang tourten der Simonswälder Josef Weiß und Flora Wenczel durch die Welt. In ihrem Gepäck hatten sie einen original Kirnbacher Bollenhut. "Das Kultsymbol des gesamten Schwarzwaldes", so die gebürtige Salzburgerin Flora Wenczel, die sich das Kleidungsstück aus Respekt vor dessen Bedeutung und Tradition ("Ich bin keine Kirnbacherin!") nie selbst aufsetzt, sorgte für Furore bei ihren Gastgebern. Ihr Angebot, sich mit dem ungewöhnlichen Kopfschmuck fotografieren zu lassen, stieß auf großes Interesse. Heraus kam eine ebenso ungewöhnliche wie ansprechende Bilderserie, von der ein ganz kleiner Ausschnitt in Elzach zu sehen ist.

 

Das Schwarzwaldmädchen mit dem roten Bollenhut, das hat's den beiden Künstlern Anja Limbrunner und Hanspeter Trefzer angetan. Ihre Bilderserie zeigt ihr Modell – eine gebürtige Schwarzwälderin, für die die historische Tracht ihres Heimatdorfes zur Selbstverständlichkeit gehört – vor und in den unterschiedlichsten Bildhintergründen. Alle Fotos entstanden an Originalschauplätzen – am Titisee zum Beispiel, aber auch in Berlin und vielen anderen Großstädten. Dahinter steckt die künstlerische Idee, "Tradition zeitlos fotografisch festzuhalten", erklären sie.

Die Bilderausstellungen in der Sparkasse und der Volksbank sind derzeit täglich zu den üblichen Öffnungszeiten und noch bis einschließlich Freitag, 27. April zu sehen. Beide Künstlerpaare werden auch auf dem Schwarzwald/Heimat/Markt mit einem jeweils eigenen Stand vertreten sein, an dem sie weitere Exponate ausstellen und sich auf anregende Diskussionen mit Besuchern freuen.