2016

Das Taganrufen als Thema

Im Heimatmuseum wurden Reproduktionen von Werken Erwin Krumms vorgestellt.

Sa, 17. Dezember 2016

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Bernd Fackler

Wolfgang Koch skizzierte den künstlerischen Lebenslauf von Erwin Krumm (links ein Selbstporträt aus den 1920er Jahren). Foto: Arno Schurgelies

ELZACH. Erwin Krumm (1898 bis 1980) war bildender Künstler, Erznarr und Ehrenbürger von Elzach – sein liebstes Schaffens- und Lebensthema war die Fasnet seines Heimatstädtchens. Nun stellten der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis und die Buchhanldung Vollherbst-Koch aus Endingen im Elzacher Museum zwei originalgetreue Reproduktionen von Werken Erwin Krumms zum Elzacher Fasnetbrauch des Taganrufens vor.

Diesem Narrengericht, Herzstück und ältesten ausgeübten Fasnetbrauch (aktenkundig nachgewiesen bis ins 18. Jahrhundert) im Schuttigstädtchen widmete sich Erwin Krumm ja in vielen Variationen und Maltechniken – ein Beispiel an prominenter Stelle ist das große Ölgemälde im Rathausaufgang. Die nun präsentierten Reproduktionen sind erstens eine vierteilige Bildfolge zum Taganrufen (Blatt 1: "Am Ladhof vor dem Taganrufen", Blatt 2: "Die Taganrufer kommen!", Blatt 3: "Das Nachtwächterlied", Blatt 4: "Ein Narrenstückli" – es sind vier Kohlezeichnungen, entstanden um 1930, Preis: 79 Euro).

Zum zweiten geht es um ein größerformatiges Bild, ein eindrucksvoll in Tempera koloriertes Aquarell von 1926 (Preis: 29 Euro). Es zeigt eine Gruppe von Elzacher Schuttignarren, Taganrufern und den Nachtwächer im dichten Schneetreiben am Oberen (Stadt-)Tor, welches 1832 abgebrochen wurde, beim Taganrufen weit in der Vergangenheit. Was auffällt: Soldaten, französische Soldaten vermutlich, sind als Zuschauer dabei. Bei diesem Motiv könnte Erwin Krumm eine mündliche Überlieferung aufgegriffen haben: Ein Vorfahre von "s’Hafners" habe öfters erzählt, dass einmal, schon lange her, beim Taganrufen Soldaten Napoleons, die gerade in Elzach stationiert waren, dem für sie eigenartigen Brauch als Zuschauer beigewohnt hätten.

 

"Mit seinem Talent gelang es Erwin Krumm, die Elzacher Narrenfiguren und Bräuche weit über die Region bekannt zu machen", sagte Wolfgang Koch, Inhaber der Endinger Buchhandlung, die sich seit 25 Jahren mit Fasnetliteratur beschäftigt und von Zeit zu Zeit Drucke wie jetzt diese veröffentlicht. Koch: "Erwin Krumm begegnet uns in Elzach auf Schritt und Tritt" und er skizzierte den künstlerischen Lebenslauf des "Fasnetmalers": "Seine Wurzeln in Elzach waren allem Anschein nach stärker als das Streben nach Neuerung" oder Ortsveränderung, auch wenn Krumm in den legendären 1920er Jahren zeitweise in Berlin lebte. "Die Neue Sachlichkeit hatte auch Auswirkungen auf Krumm", so Koch, wie ein Selbstporträt aus jener Zeit unterstreiche, "er war aber nie Vorreiter einer künstlerischen Bewegung und sah sich, davon bin ich überzeugt, zeitlebens auch als Handwerker. Die Entwicklung seines Oeuvres in einem kunstgeschichtlichen Kontext zu erarbeiten, wäre sehr lohnend. Josef Weber hat mit seinem Buch über Erwin Krumm hier wieder mal Maßstäbe gesetzt und Grundlagen geschaffen".

Philipp Hässler, der Vorsitzende des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises, heftete Wolfgang Koch als "intimem Kenner der Fasnet" und langjährigem, nun ehemaligem Vorsitzenden der Alemannischen Larvenfreunde, mit Augenzwinkern den äußerst selten verliehenen"Elzacher Löwenbierorden" ans Revers.

Bürgermeister Roland Tibi ("Krumm ist und bleibt einer der wichtigsten Künstler unserer Stadt") erinnerte auch an dessen Ehrenbürgerschaft: "Elzach ist bekannt für seine Fasnet – maßgeblichen Anteil dran hatte Erwin Krumm durch seine künstlerische Arbeit", nannte Roland Tibi den Schuttigbrunnen als vielleicht bekanntestes Beispiel.

Auch Armin Becherer, Zunftmeister der Narrenzunft, erinnerte an den Erznarren Erwin Krumm. Dieser hat die Fasnet mit unzähligen künstlerischen Darstellungen und auch in schriftlicher Form gefördert und war zeitweise auch stellvertretender Zunftmeister Die Präsentation der Taganrufen-Drucke "freut mich sehr", so Becherer. Er, Tibi und Hässler durften die ersten Exemplare entgegen nehmen, weitere erwarben interessierte Besucher der Präsentation. Beide Kunstdrucke liegen in einer limitierten und nummerierten Auflage vor.


Museumshock machte Freude

Mit Brezeln und Kannenbier

Fr, 19. August 2016

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Bernd Fackler

Einmal im Jahr lädt der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis (HGA) zum Museumshock in und vor der Heiamtkundlichen Sammlung der Stadt gegenüber vom Nikolausplatz ein. Leger und unkompliziert ging es da her: Es gab Brezeln, Kuchen, Espresso und Kannenbier, frisch gezapft vom Löwenwirt Christoph Schmieder schräg vis-à-vis und zum sofortigen Verzehr von den Vereinsaktiven Kanne für Kanne schnell einmal quer über die Hauptstraße zum Museum transportiert. Preislisten für Speis’ und Trank fehlten bei diesem Hock, statt dessen durften die Freunde, Gönner und Gäste eine Spendenvase füllen, wenn sie wollten. Gratis sind auch die ganz gewiss guten Gespräche über Geschichte und Gegenwart, Gott und die Welt gewesen.


Ein Verein, der sehr viel bewegt im "Städtli"

Hauptversammlung vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis / Satzungsänderung bringt vier Vorstandsmitglieder mehr / Die Museumssanierung geht weiter.

Mi, 01. Juni 2016

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Kurt Meier

Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Elzach (HGA) bleibt unter der kongenialen Führung von Philipp Häßler und Thomas Landwehr. Deren Amtszeit wurde sogar von zwei auf drei Jahre ausgeweitet. Dies ist eine von mehreren Veränderungen, die eine einstimmig verabschiedete Satzungsänderung in der Jahreshauptversammlung am Samstagabend mit sich brachte. "Es ist unglaublich, was dieser Verein auf die Beine gestellt hat", brachte Bürgermeisterstellvertreter Joachim Disch den Dank der Stadt zum Ausdruck. Nicht nur mit Sanierung und Betrieb des Museums leiste er einen großen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben, auch mit seinen Veranstaltungen und Initiativen zur Aufarbeitung der heimatlichen Geschichte.

Die Liste der Tätigkeiten für das Vereinsjahr 2015 war umfangreich, wie der Bericht von Philipp Häßler zeigte. Im Mittelpunkt standen die handwerklichen Arbeiten im und rund ums Museum und die Neukonzipierung der Ausstellung. Schwerpunkt war das Thema Fasnet, die im Obergeschoss untergebracht ist. Die Dauerausstellung wurde rundum neu gestaltet. "Das hat viel Arbeit und viel Hirnschmalz gekostet", so Philipp Häßler, letztlich aber auch viel Geld. Das Vereinsvermögen sei aber trotz aller Ausgaben noch ausreichend, so Häßler, auch wenn der Kassenbericht an diesem Abend ausfallen musste. Die beiden Kassenprüfer Martin Singler und Inge Gebelein berichteten jedoch von einer einwandfreien Kassenführung. Der Kassenbericht selbst wird in diesen Tagen in einem Mitgliederschreiben nachgereicht.

Werbung


Abgeschlossen sind die Sanierungsarbeiten im Museum noch lange nicht: In diesem Jahr werden die Fenster und die Besuchertoilette im Erdgeschoss erneuert. Die Kosten teilen sich Stadt und HGA. Der Besucherzuspruch sei erneut gestiegen. Was auch an den vielen Veranstaltungen im vergangenen Jahr lag. Die Besucher des Paracycling-Weltcups waren ebenso begeistert wie zahlreiche andere Gruppen. Unangemeldete Besichtigungen sind jeden Samstagvormittag möglich. Von 10 Uhr bis 12.30 Uhr hat das Museum geöffnet. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Nachtwächterführungen. 14 waren es 2015 und für 2016 werden es noch einige mehr werden. Dass der HGA den "Eröffnungsumzug" zum Stadtfest im vergangenen August anführen durfte, war ein besonderes "Bonbon", das man sehr genossen habe. Gut angenommen werde der große Museumsraum im Erdgeschoss auch für Veranstaltungen. Philipp Häßler stellte jedoch klar, dass der Raum nicht für private Feste angemietet werden kann. Dies schließe der Nutzungsvertrag mit der Stadt ausdrücklich aus. Was sich jedoch immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die Nutzung des Museums als besondere "Location" für Trauungen. "Das Museum gibt dem Ganzen einen ganz eigenen Flair", so die überwiegende Resonanz.

Für eine angeregte Diskussion sorgte der Vorschlag zu einer Satzungsänderung. In dieser wird unter anderem die Amtszeit der Vorstandschaft von zwei auf drei Jahre verlängert. Außerdem wird die Ehrenmitgliedschaft neu geregelt. Am auffälligsten ist die Erweiterung der Vorstandschaft. Um alle Aufgaben und Vorhaben bewältigen zu können, "müssen wir uns breiter aufstellen", so Philipp Häßler. Statt bisher drei werden nun sieben Beisitzer den geschäftsführenden Vorstand unterstützen. Die vorgeschlagenen Veränderungen wurden von der Versammlung schließlich einstimmig gebilligt.
Vorstandswahlen: Der Vorstand hat jetzt elf (bisher sieben) Mitglieder. Damit verbunden sind einige personelle Veränderungen. Einstimmig wiedergewählt wurden Vorsitzender Philipp Häßler, Stellvertreter Thomas Landwehr und Schriftführer Florian Wernet. Neuer Kassierer ist Marcel Koslowski. Er löst Martin Wernet ab, der für dieses Amt nicht mehr bereit stand. Beisitzer sind Armin Schonhard, Arno Schurgelies, Astrid Winning, Oliver Winning, Edgar Koslowski, Martin Wernet und Anna-Lena Landwehr.

Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis Elzach: Mit bewährter und verstärkter Vorstandschaft die künftigen Herausforderungen meistern

V.l.n.r. Astrid Winning, Florian Wernet, Oliver Koslowski, Philipp Häßler, Thomas Landwehr, Arno Schur-gelies, Armin Schonhard, Oliver Winning, Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Disch. Auf dem Bild fehlen Anna-Lena Landwehr, Martin Wernet und Marcel Koslowski. Bild: Arno Schurgelies

Quelle: elzach.de


Bei der Generalversammlung des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises Elzach hielt Vorsitzender Philipp Häßler Rückblick auf ein arbeitsreiches Vereinsjahr. Dabei wurde deutlich, dass der Umbau des Heimatmuseums zwar sehr gelungen ist, dieser aber auch beträchtliche finanzielle und personelle Ressourcen erforderte.

Bei den Veranstaltungen war neben der Teilnahme am Stadtfest die Sonderausstellung "Heimat" mit Fotografien von modernen Trachenmaidle und die Vorstellung des Buches von Prof. Dr. Heiko Haumann über die Ausschreitungen gegen die Familie Türkheimer im 3. Reich die besonderen Höhepunkte. Sehr beliebt sind nach wie vor die historischen Stadtführungen, verstärkt in Anspruch genommen wird auch die Möglichkeit, sich im Heimatmuseum trauen zu lassen.

Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Disch überbrachte die Grüße der Stadt Elzach und bedankte sich bei der Vorstandschaft und den Vereinsmitgliedern für deren großes und wichtiges ehrenamtliches Engagement. Das Heimatmuseum habe sich unter der Regie des HGA zu einem wahren Schmuckstück entwickelt, in denen die Ausstellungstücke ansprechend und zeitgemäß präsentiert werden. Sehr erfreulich sei auch die Entwicklung der Zusammenarbeit mit den anderen heimatkulturellen Vereinen der Stadt.

Schnell und ohne jeglichen Probleme verliefen die Neuwahlen der gesamten Vorstandschaft. Alle Vorstandsämter wurden ohne Gegenstimme vergeben. Da die Aufgaben, insbesondere auch für die Betreuung des Museums, nicht weniger werden, wurde die Anzahl der Beisitzer von vier auf sieben erhöht. Wiedergewählt wurden Philipp Häßler als 1. Vorsitzender, Thomas Landwehr als 2. Vorsitzender und Florian Wernet als Schriftführer sowie Astrid Winning, Armin Schonhard und Arno Schurgelies als Beisitzer. Neuer Kassierer ist Marcel Koslowski, neue Beisitzer sind Martin Wernet (bisher Kassierer), Edgar Koslowski, Anna-Lena Landwehr und Oliver Winning.