2014

Mit Löwenbier und Moritatenliedern

Badische Zeitung vom 27. August 2014

Text: Roland Gutjahr

Bilder: Roland Gutjahr und Bernd Fackler

Museumshock des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises am Samstagvormittag kam an / Stühle und Tische einfach auf’s Trottoir.


ELZACH. Was kann es Schöneres geben, als ein Fest, ein wenig improvisiert, zu dem man dann fast nichtsahnend zufällig dazu läuft, so mitten im Städtli und das am Samstagmorgen: Stühle und Tische auf dem Trottoir, dazu zwei lustige Sänger und frisches Löwenbier aus der Milchkanne – Herz, was willst Du mehr?.

Halt, halt, so ganz improvisiert war die Sache doch nicht gewesen, die der Heimatgeschichliche Arbeitskreis als neuer "Verwalter" der Heimatkundlichen Sammlung, landläufig "Museum" genannt, da veranstaltete. Es war nämlich alles angekündigt und angemeldet. Aber jeder Zweite, der sich dem Festplatz auf dem Trottoir vor dem Haus mit der heimatkundlichen Sammlung näherte, fragte: "Was mache ihr denn do?" Schon bald sah en es alle, nachdem der Goldschmied meisterlich-wild umeinander böllerte.

Essen, trinken, beieinander sein war das Motto. Und, ach ja, einen Geburtstag gab es auch noch: Eberhard Hirschbolz, Sparkassendirektor und Politiker a.D., Kirchenchorsänger und SC-Freiburg-Fan i.D., ließ man zum 75. Geburtstag (am 19. August) hochleben. Apropos hochleben: Stilgerecht trank man aus Steinkrügen das frische Löwenbier, hergeschafft in großen Milchkannen von zwei hübschen und fleißigen Mägdelein. Es wurde sogar behauptet, dass dieses Bier von der illustren Museumsgesellschaft (HGA) unter Anleitung ihres Vorsitzenden Philipp Häßler selbst gebraut wurde, wer weiß?

 

Die Stimmung in der Runde war schon ein wenig angeheitert, als man "zwei hochwohllöbliche Gestalten" aus dem gegenüberliegenden Marktgeschehen heraustreten sah: Linus Becherer und Roland Kury, gewissermaßen die "Hälfte des Rindfleischquintetts" wollten die gute Stimmung des Museumshocks noch steigern. Das taten sie mit Akkordeon, "Pfiffe", Gesang und großen Bildern: Jetzt kamen nämlich die alten Balladen und Moritaten aus Elzachs Geschichte wieder einmal zum Vorschein, wie "Die Räuberbraut" oder "Der Vatermord zu Elzach" – in Erinnerung an das allererste Elzacher Stadtfest anno 1978, damals uraufgeführt, eine gar gruslige Geschichte über den versoffenen, hirnischen und immer "nerschten" Rittersmann Sebastian. "Sauft nicht so viel wie einst Sebastian", war bei Liedschluss Roland Kurys eindringende Bitte an die Gäste. Die allermeisten hielten sich auch brav daran.

Ein Gast meinte aber frech: "Wir trinken noch eins mit den Alten, bevor sie erkalten!" Und wie sagte ein anderer: "Ja verrückt, so ein Fescht könnte man jeden Samschdig mache!" Das wohl nicht, hieß es vom veranstaltenden Heimatkundli- chen Arbeitskreis, aber wer weiß, vielleicht ein- zweimal im Jahr?


Ein Schatz fürs Heimatmuseum

Badische Zeitung vom 21. Juni 2014

Text und Bild: Nikolaus Bayer

Hauptversammlung des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises Elzach / Vorstand bestätigt / Mehr Exkursionen und Museumsarbeit.

Die beiden Vorsitzenden des HGA Elzach, Philipp Häßler und Thomas Landwehr (von links), stellen das Portrait „Fackler-Müller“, gemalt von Lovis Corinth, vor.


ELZACH (ban). Um Viertel nach Acht läutete die Bekanntmachungsglocke des alten Rathauses aus dem 17. Jahrhundert. Sie hängt im Heimatmuseum, in dem der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Elzach (HGA) erstmals seine Hauptversammlung abhielt.

Etwa 20 seiner 150 Mitglieder hatten sich dazu im Ausstellungsraum im Erdgeschoss eingefunden. Als Höhepunkt wurde ihnen ein neues Ausstellungsstück präsentiert, ein Gemälde des deutschen Impressionisten Lovis Corinth. Thomas Landwehr stellte die Geschichte des Porträts vor, das der junge Corinth 1884 bei einem Aufenthalt in Oberprechtal – noch zur Aufbesserung seines Lebensunterhalts – gemalt hatte.

Viele Jahrzehnte hat es dort versteckt in einem Privathaushalt überdauert. Jetzt wurde es von den Erbinnen Lore Meier und Hildegard Moser dem Museum als Dauerleihgabe überlassen. Das Bild zeigt den damaligen Facklermüller, der seinem Gewerbe in der Ortsmitte an der Elz nachging. Der Künstler hatte ihn – wie zwei weitere Motive – kurzerhand auf einem Holzbrett festgehalten.

 

Philipp Häßler, der fast alleine durch die Versammlung führte, berichtete von den jüngsten Aktivitäten des HGA. Als Einschnitt, verbunden mit einer neuen Herausforderung, hob er den im März 2014 mit der Stadt geschlossenen Nutzungsvertrag für das Heimatmuseum hervor. Für die nächsten zehn Jahre hat der Arbeitskreis darin die Gestaltungsbefugnis übernommen, in deren Rahmen er sich derzeit mit der Archivierung und musealen Aufbereitung der Gemälde befasst.

Weitere Aktionen waren 2013 die Erinnerung an den Ehrenbürger Karl-Siegfried Bader anlässlich der Namensgebung der Prechtäler Schule, eine Exkursion in die Hohenzollern-Stadt Sigmaringen sowie die Fortsetzung der Brunnensanierung. Noch in diesem Jahr soll der Rathausbrunnen die neuen Wasserspeier erhalten und eine Beckenreinigung erfahren. Auch zwölf Stadtführungen – seit 2004 sind es insgesamt 90 – hat der HGA wieder durchgeführt. Die mit Anekdoten und historischen Fakten gespickten, meist nächtlichen Gänge interessieren inzwischen auch Einheimische, berichtete Häßler erfreut.

Als künftige Projekte möchte der Vorsitzende regelmäßig Exkursionen anbieten, um der Stadt- und Talgeschichte auch in weiterem historischem Rahmen nachzugehen. Für 2014 brachte er den Besuch der Ausstellung "Römer, Alemannen, Christen im Südwesten" des Archäologischen Landesmuseums Konstanz ins Gespräch. Hauptaufgabe des HGA wird aber die Museumsarbeit werden. Hier rief Häßler die Mitglieder dazu auf, sich mit ihren Befähigungen einzubringen, sei es handwerklich oder konzeptionell. Angedacht ist zunächst eine Umgestaltung des Vorraums. Im Obergeschoss wird über neue Ausstellungsinhalte nachgedacht. Das Museum ist ab sofort samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet; auch für diesen Dienst sind Freiwillige gesucht.

Eine Anregung von Eberhard Hirschbolz, die Elzacher Straßenschilder mit kleinen Zusatzerklärungen zu den Namensgebern zu versehen, wurde als sinnvoll angesehen und soll weiterverfolgt werden. Für heimatgeschichtliche Forschungen besteht im Museum inzwischen auch eine kleine Bibliothek. Darauf aufmerksam gemacht wurde Karl Tränkle, der Yacher Heimatkundler, der sich derzeit mit dem Belgwald im Vorderzinken befasst und zur Urkundenrecherche eingeladen wurde.

Bei den Wahlen wurde der Vorstand vollständig bestätigt. Philipp Häßler als Vorsitzender geht in sein neuntes Amtsjahr. Sein Stellvertreter bleibt Thomas Landwehr. Schriftführer ist Florian Wernet, Kassierer Martin Wernet. Beisitzer sind Arno Schurgelies, Armin Schonhardt, Thomas Steimer, Astrid Winning.

Lovis Corinth

 

Der gebürtige Ostpreuße Lovis Corinth (1858-1925) war neben Max Liebermann und Max Slevogt der bedeutendste Maler des deutschen Impressionismus. Er wurde stark geprägt vom Franzosen Paul Cézanne. Von der Berliner Akademie der Künste erhielt er eine Professur. Er fühlte sich als patriotischer, kaisertreuer Deutscher und hatte Erfolg mit Porträt- und Aktbildern. Sein Oeuvre umfasst über 1000 Gemälde und ähnlich viele Aquarelle und Zeichnungen. Die Hauptschaffenszeit hatte er in München und nach 1901 in Berlin. Seine Spätwerke offenbarten einen Wandel zu expressionistischem Schaffen. Nach seinem Tod wurden sie von den Nationalsozialisten deshalb als "entartet" betrachtet und nicht wenige zerstört. 


Jetzt ist der Arbeitskreis für das Heimatmuseum zuständig

Badische Zeitung vom 26.03.2014

Text: Bernd Fackler

Foto: Bernd Fackler

Nutzungsvertrag mit der Stadt unterzeichnet / Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis hat schon einige Ideen für das Haus, zum Beispiel andere Öffnungszeiten.

Unterzeichnung des Nutzungsvertrages im Museum in Elzach:


 

 






Hinten: Arno Schurgelies, Armin Schonhard, Martin Wernet, Ehrenmitglied Walter Meyer (verdeckt), Astrid Winning, Ehrenmitglied Rosemarie Joos, Florian Wernet

Vorne sitzend: Bürgermeister Roland Tibi, Philipp Häßler


ELZACH (fa). Seit Samstag ist es offiziell: Mit einem Nutzungsvertrag der Stadt Elzach mit dem Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis (HGA) über die Überlassung eines Teilbereichs des Heimatmuseums (Räume im Dachgeschoss) für Vereinszwecke und im Gegenzug der Übernahme der Betriebsführung der Heimatkundlichen Sammlung durch den Arbeitskreis beginnt eine neue Zeit für Elzachs Haus mit Historie.

Historie meint hier nicht nur den "Inhalt", sondern auch das Gebäude selbst. Es war jahrhundertelang Rathaus der Stadt, später Sitz der Sparkasse Elzach und seit Ende der 1960er Jahre, als Josef Weber, Gabriel Feßler und Erich Schätzle alte Gerätschaften und Dokumente sammelten, wurde es zur kleinen, feinen Heimatkundlichen Sammlung der Stadt. Später kam im Obergeschoss, die "Abteilung Fasnet" und eine Gemäldegalerie von Ehrenbürger Erwin Krumm hinzu und noch später, nach dem Auszug von "Museumshüter" Karl Riegger, das zweite Obergeschoss, wo sich inzwischen der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis einrichtete.

Die Einträge in den Gästebüchern zeigen, dass schon zahlreiche Besucher angetan waren von den kleinen Schätzen aus Elzachs Vergangenheit. Viele Jahre führte Erwin Neumaier durch die Heimatkundliche Sammlung, nach ihm und bis Sommer 2013 dann Carola Riffel.

 

Wie es mit dem Museum weitergeht, werden die nächsten Sitzungen des HGA zeigen. Ideen gibt es schon. Zunächst wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Ein "Museumsfest" ist im Gespräch, auch eine Ausstellung anlässlich 20 Jahre HGA. Angestrebt ist, die Öffnungszeiten des Museums zu ändern. Bei der Vertragsunterzeichnung waren neben der Vorstandschaft um den Vorsitzenden Philipp Hässler von den HGA-Gründungsmitgliedern auch Hässlers Vorgänger Walter Meyer sowie Rosemarie Joos dabei. Für die Stadt kam der Chef selbst: Bürgermeister Roland Tibi freute sich über die neue Zukunft: "Wir vergeben dem Sportverein ja auch den Sportplatz zur Nutzung, warum nicht das Museum dem Heimatkundlichen Arbeitskreis? Eine schöne Angelegenheit, dass der Arbeitskreis hier tätig wird." Philipp Hässler sagte "Dank für das Vertrauen. Wir wollen Schritt für Schritt das Haus mit neuem Leben erfüllen und haben geschafft, was wir jahrelang anstrebten: Das Museum als öffentlicher Erlebnisraum."